Sahnehäubchen für Freundeskreis

Denkmalstiftung kürt ehemaliges Zisterzienserinnen-Kloster in Kirchheim zum „Denkmal des Monats Dezember“

Zum „Denkmal des Monats“ Dezember 2010 hat die Denkmalstiftung Baden-Württemberg das ehemalige Zisterzienserinnen-Kloster in Kirchheim erkoren.

von MARTIN SIMON

Kirchheim. Seit Januar 2004 zeichnet die Denkmalstiftung jeden Monat eines der von ihr geförderten Kulturdenkmale mit der Bezeichnung „Denkmal des Monats“ aus. Zweck dieser Auszeichnung ist zum einen die Anerkennung der Leistungen, vor allem privater Denkmaleigentümer, zur Erhaltung und Instandsetzung eines Kulturdenkmals. Zum andern geht es aber auch darum, die Öffentlichkeit auf herausragende Kulturdenkmale aufmerksam zu machen. Für den Monat Dezember 2010 haben sich die Verantwortlichen dafür entschieden, das ehemalige Zisterzienserinnen-Kloster in Kirchheim zum Denkmal des Monats zu machen.



Das ehemalige Kloster ist nicht nur für die Denkmalstiftung ein „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“.

„Es hat uns schon überrascht, aber auch mit großem Stolz erfüllt, dass man uns ausgewählt hat. Das ist ein Stück weit eine Anerkennung unseres Engagements, ein Sahnehäubchen quasi“, freut sich Edwin Michler vom Freundeskreis Kloster Kirchheim am Ries. Er kann sich gut vorstellen, dass die Auszeichnung der Denkmalstiftung noch mehr Menschen zu einer Besichtigung des Klosters animiert. Wenngleich sich der Freundeskreis über mangelndes Interesse, auch überregionales, am Kloster nicht beklagen kann. „Rund 1000 Menschen haben in diesem Jahr an einer Klosterführung teilgenommen. Das ist ein neuer Rekord für uns“, sagt Michler, der die Führungen persönlich leitet. Eine Erklärung hat er für den Zuwachs: „Inzwischen bin ich ja Pensionär. Früher waren Führungen nur an Wochenenden möglich, nun geht das aber auch unter der Woche. 25 Führungen waren es in diesem Jahr.“
Weil die Klosterführungen kostenlos sind, lässt Michler am Ende stets einen Hut herumgehen. Was zusammenkommt, fließt in die Vereinskasse. 140 Mitglieder zählt der Verein. Beiträge und Spenden sind das finanzielle Fundament, mit dem der Freundeskreis seine Arbeit vorantreibt. Und weil der Freundeskreis in seinem Namen auch den Zusatz „Verein zur Kultur- und Geschichtspflege in der Gemeinde Kirchheim am Ries“ trägt, wurden 2008 die Klosterspiele ersonnen. Die Freilicht-Theateraufführungen brachten wichtige Einnahmen . „Alle zwei Jahre gibt’s Freilichttheater. Mal sehen, was Autor Martin Bernard für 2012 plant. Die ersten beiden Stücke waren ja eine Fortsetzungsgeschichte. Nun kommt vielleicht was ganz Neues“, sagt Michler.
Mit den erzielten Mitteln hilft der Verein bei der Instandhaltung der Klosteranlagen. Er finanziert Doktor- und Diplomarbeiten und kauft manch historisches Stück, das direkten Bezug zum Kloster hat.

Was gerade renoviert wird
Eine Summe von 50 000 Euro, wie sie die Denkmalstiftung nun für die Restaurierung des Klosters in die Hand nimmt, könnte der Verein indes nicht stemmen. Nach mehreren Bauabschnitten, die vor allem der Renovierung der ehemaligen Klosterkirche Mariä Himmelfahrt dienten, wird dieses Geld nun für die Außen- und Innensanierung im ehemaligen Konventsgebäude, in Stiftskapelle und im Nonnenchor Verwendung finden.


Wandmalereien wurden und werden noch gesichert. (Fotos: Denkmalstiftung)


„Bei dem 1267 gegründeten Zisterzienserinnen-Kloster handelt es sich um ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“, heißt es in der Begründung der Denkmalstiftung. Von den ursprünglichen zweigeschossigen Konventsgebäuden südlich der Kirche blieb allein ein Teil des Westflügels mit der Stiftskapelle und dem Nonnenchor erhalten. Die Stiftskapelle, ein quadratischer Raum mit Kreuzrippengewölbe, wird von einer runden Mittelstütze getragen. Nördlich erhöht schließt sich der Nonnenchor an, durch zwei vierbahnige Maßwerköffnungen mit der Kapelle verbunden. Der Raum ist unterteilt durch fünf Rundstützen. Die qualitätvollen Barockaltäre in der Stiftskapelle und die um 1400 entstandenen Wandmalereien im gotischen Frauenchor zählen zum wertvollsten Bestand der ehemaligen Klosteranlage, wirbt die Denkmalstiftung für das ehemalige Kloster..
Aufsteigende Wandfeuchte und Salzausblühungen haben jedoch teilweise zu erheblichen Verlusten an den Wandmalereien und Altären geführt. Deshalb müssen die Außenwände entsalzt und trockengelegt werden, damit anschließend die Wandmalereien im Frauenchor gesichert und restauriert werden können. Außerdem werden bleiverglaste Fenster repariert und gotische Epitaphien wieder aufgestellt. Dringend erforderlich ist es zudem, den Barockaltar in der Stiftskapelle zu konservieren und zu restaurieren. Ziel ist, den Nonnenchor und die direkt anschließende Stiftskapelle künftig auch für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen.
Michler hofft, dass die Arbeiten, für die das Ellwanger Architekturbüro Brenner, Duttlinger, Stock, verantwortlich zeichnet, „bis Ostern soweit erledigt sind, dass wieder Führungen möglich sind.“
 

© Schwäbische Post 08.12.2010

 
Link zum Original-Artikel:  http://www.schwaebische-post.de/526044/

Wir danken der Schwäbischen Post, dass wir diesen Bericht hier veröffentlichen dürfen!