Kath. Kirche St. Leonhard Pflaumloch
Der Ort Pflaumloch wird erstmals urkundlich 1246 erwähnt.
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Der Turm sowie ein Teil der umgebenden Mauer der jetzigen Pfarrkirche dienten bis zum Ende des 13. Jahrhunderts als Bergfried und Burgmauer der damaligen Ortsburg, die im Besitz des Dorfherren war. Der Dorfherr nahm eine doppelte Funktion ein: aufgrund seines Standes war er Inhaber der Befehls- und Strafgewalt in Dorfsachen. Aufgrund des Ministerialenverhältnisses aber musste er den Grafen von Oettingen, die die Grundherrschaft in Pflaumloch besaßen Gefolgschaft, d.h. vor allem Kriegsdienste leisten. Zunächst wurde das Anwesen mit einer bis zu 6m hohen Mauer umgeben. Schließlich errichtete man um das Jahr 1000 einen mächtigen 30m hohen Burgturm (die Steine wurden vom nahegelegenen Goldberg geholt), um bei Feindnähe den notwendigen Ausblick zu gewährleisten. Ein Eingang führte zu ebener Erde in einen kleinen Innenraum von 4x4m. Über diesem befanden sich zwei übereinanderliegende starke Gewölbe. Wenn Feinde nahten, flüchteten die Bewohner mit ihrem Hab und Gut in die ummauerte Dorfburg. Das Vieh und die Habe verblieben im Innenhof der Burg, während sich die Bewohner über einen zweiten, etwa 4m hochgelegenen kleinen Ein-Mann-Einstieg in das Turminnere zurückzogen. Sollte es dem Feind dennoch gelungen sein, in den Innenhof zu gelangen, so bot der mächtige Turm und das Doppelgewölbe zusätzlichen Schutz, denn die stabilen Decken mussten erst durchstoßen werden, um auf den Turm zu gelangen. Dieser Fall scheint aber in der langen Geschichte der Dorfburg niemals eingetreten zu sein, denn die Gewölbe blieben unbeschädigt. Innerhalb der damaligen Ortsburg gab es eine Vorgängerkirche, die sehr klein war und teilweise aus Holz bestand. Auch gab es im Ort zwei kleine Holzkappellen die im Dreißigjährigen Krieg und später bei einem Großband im Ort 1802 zerstört wurden. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde, vielleicht auch aus Kostengründen, der Turm zum Kirchturm umfunktioniert. Im Erdgeschoss des Turmes war der Chorraum. Ein kleines Langhaus, für die damaligen Kirchenbesucher ausreichend, wurde an den Turm angebaut. Geweiht wurde sie dem Heiligen Leonhard, der auch Patron der Vorgängerkirche war. Nach der Erbauung wird der Ortsadel noch in der seitherigen Burg sesshaft gewesen sein. Vielleicht infolge neuen Raummangels in dem Kirchlein, vielleicht auch infolge von Baufälligkeiten der restlichen herrschaftlichen Gebäude innerhalb der Burgmauer werden diese im ausgehenden 15. Jahrhundert abgebrochen und zur Erbauung des heutigen großen Kirchenhauses, des Schiffs verwendet worden sein. Im Jahre 1962 wurden zusätzlich eine Sakristei, eine Taufkapelle und eine Vorhalle an die Kirche angebaut. |
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Der größte Schmuck der Kirche sind
die, sowohl nach künstlerischer Qualität als auch nach Erhaltungszustand
sehr guten Wandmalereien, entstanden um 1500. Im Gewölbe des Chorraums
die vier Kirchenlehrer: Augustinus, Hieronymus, Ambrosius und Gregor,
gegenübergestellt den Symbolen der vier Evangelisten (Stier = Lukas,
Löwe = Markus, Mensch/Engel = Matthäus, Adler = Johannes). An der
Nordwand befinden sich zwei Fresken mit Abendmahl und Kreuzigung. Im
Chorbogen je fünf kluge und törichte Jungfrauen, die die Gläubigen zur
ständigen Wachsamkeit aufrufen (siehe Matthäus 25,1-13 „Wachet also,
denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde“). An der Ostwand des
Chores gotische Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes, flankiert von
ebenfalls gotischen Figuren der heiligen Ulrich und Barbara. Im Schiff
links vom Chorbogen sehr gute spätgotische Madonna auf der Mondsichel,
rechts barocke Leonhardsfigur neueren Datums. Nicht zu übersehen ist die
kräftige Sprache des Christopherusgemäldes (Anfang des 16.
Jahrhunderts), das die Nordwand beherrscht. Wer sein Bild am Morgen
betrachtete, glaubte, er sei an diesem Tag vor jedem Unheil bewahrt.
Deshalb erscheint der Heilige erneut in einer Wandnische, diesmal
zierlich, zusammen mit der Figur des heiligen Wendelin. Die Frontseite
der Orgelempore zieren Bildtafeln mit den Aposteln, abgebildet mit ihren
Attributen sowie Christus, dargestellt mit Reichsapfel, in der Mitte. In
der Umgebung der Kirche hat man zahlreiche Eisenfigürchen aus dem
11./12. Jh. gefunden, Weihegeschenke an den hl. Leonhard, die heute in
Stuttgart verwahrt werden. |
| Leonhard von Limoges, Einsiedler, Abt
Geboren: 5. Jh. in Frankreich Die stark von Legenden überlagerte Lebensgeschichte Leonhards erzählt, dass er der Sohn einer adligen Familie war und von Bischof Remigius das Tausakrament empfangen habe. Über Kindheit und Jugendzeit weiß man nichts, das Leben Leonhards lässt sich erst wieder verfolgen, als er sich – so die Legende – zu Beginn des 6. Jahrhunderts als Einsiedler in einer Hütte im damaligen Nobiliacum, dem heutigen St.-Léonard-de-Noblat bei Limoges, niederließ. Leonhards Zelle im Wald wurde zum Ziel vieler Verzweifelter und Ratsuchender, die den weisen Mann in seiner Klause schon zu dessen Lebzeiten als Heiligen verehrten. Aus jener Zeit stammt auch die Tradition, dass Leonhard als Schutzpatron der Gefangenen verehrt wird. Die Überlieferung erzählt, Leonhard habe immer ein besonderes Herz für Gefangene gehabt und vielen von ihnen durch seine gute Beziehung zum König die Freiheit vermittelt. Viele Gefangene, die im Kerker den Namen Leonhards ausriefen, sollen daraufhin augenblicklich von ihren Fesseln befreit gewesen sein und diese dann dem Einsiedler gebracht haben. Aus der Zelle von Leonhard entwickelte sich im Laufe der Zeit das Kloster St-Léonard-de-Noblat, dem der Einsiedler in seinen letzten Lebensjahren dann auch als Abt vorstand. Das Todesjahr Leonhards wird mit 559 angegeben, beigesetzt wurde er in seinem Kloster. Bis heute ist das Leonhard-Grab in der romanischen Kirche Saint-Léonard ein vielbesuchter Wallfahrtsort.
Darstellung: Leonhard ist fast immer in einem schwarzen Mönchsgewand
dargestellt, oft mit den Abtsattributen, hauptsächlich mit Stab. Weitere
Attribute auf Abbildungen Buch, Ketten, Fußblock sowie Ochsen und
Pferde. Oft dargestellt wurde die Szene, wie Leonhard Gefangene befreit.
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Der „Pflaumlocher Krieg“ Da rückten eines Tages - es war am 8. Mai 1597 - unter Stadthauptmann Thoma Daunhofer vierhundert Nördlinger Schützen und etliche Reisige der Stadt zum Baldinger Tor in Nördlingen hinaus und marschierten Pflaumloch zu. In ihrer Mitte führten sie einen evangelischen Pfarrhelfer. Den sollten sie, wenn nötig, mit Gewalt in Pflaumloch als für das Dorf fortan allein zuständigen Pfarrer einsetzen. In Pflaumloch angekommen, rückten sie erst einmal unter Johlen und Schreien vor das Haus des katholischen Priesters. Als dieser nun den Haufen herankommen hörte, hielt er es für das beste, sich in Sicherheit zu bringen, um nicht in die Hände der johlenden Nördlinger zu fallen. So fanden die Schützen und Reisigen das Haus schon verlassen vor, als sie es nach dem Priester durchsuchten. Durch diesen so leichten Sieg noch ausgelassener geworden, gingen sie daran, sich's im Dorf gemütlich zu machen und hier ihren Sieg gehörig zu feiern. Mittlerweile hatte aber Graf Wilhelm von Oettingen Kunde erhalten von den Vorgängen in Pflaumloch. Sofort hatte er sich aufs Pferd geworfen und war mit seinen drei Söhnen Wilhelm, Ulrich und Ernst und mit fünfzehn seiner Reisigen im Galopp Pflaumloch zugeritten. Hier ließ er sich nun sogleich zu Hauptmann Daunhofer führen. Mit scharfen Worten forderte er diesen auf, die Nördlinger Truppen unverzüglich in die Stadt zurückzuführen und auch den evangelischen Pfarrhelfer gleich wieder mitzunehmen. |
Der Stadthauptmann bedauerte, der Aufforderung des Grafen nicht nachkommen zu können, da er den strikten Befehl habe, nur nach den Weisungen des Nördlinger Magistrats zu handeln. Und diese Weisungen hießen, den evangelischen Prediger nach Pflaumloch zu bringen, ihn dort einzusetzen und zu überwachen, dass dem Pfarrer kein Leid geschehe. Endlich, nach langem Hin und Her, erklärte er sich dazu bereit, einen seiner Leute nach Nördlingen zu senden und beim Magistrat um eine Entscheidung bitten zu lassen.
Nach kurzer Zeit kam der Bote wieder zurück. Der Bescheid des Magistrats lautete, dass die Nördlinger den Grafen gefangen nehmen und ihn in die Stadt schaffen sollten!
Als man nun diesem Befehl nachkommen wollte, siehe, da zeigte es sich, dass Graf Wilhelm nirgends zu finden war! Der hatte nämlich, nichts Gutes ahnend, samt seinen Leuten Pflaumloch verlassen und gedachte nun, sich in das Osterholz zurückzuziehen. Einige eifrige und tatendurstige Nördlinger sahen ihn dem Walde zusprängen. Entschlossen folgten sie den Fliehenden, in Gedanken schon mit der Belohnung des Magistrats für die Ergreifung des Grafen liebäugelnd. Doch aus der Belohnung sollte nicht viel werden, noch weniger aber aus dem Ergreifen des Grafen! Denn als dieser sah, dass ihn nur wenige verfolgten, da machte er mit den Seinen Kehrt und ging zum Angriff über. Bitter hatten die Nördlinger für ihren Übereifer und für ihren Wagemut zu büßen. Zwei der Verfolger fielen unter den Kugeln des Grafen und seiner Leute. Die andern mussten sich schleunigst wieder zurückziehen. Unbehelligt gelangten nun die Oettinger nach Wallerstein in Sicherheit. Den Nördlingern zum Hohne und sich selbst zum Ruhme ließ darauf Graf Wilhelm in einem Gedicht den ,,Pflaumlocher Krieg“ schildern und darin feststellen, dass er mit seinen Söhnen und mit nur fünfzehn Reisigen über vierhundert Nördlinger Bürger geschlagen habe. Damit waren jedoch die Feindseligkeiten zwischen der Stadt Nördlingen und dem Grafen von Oettingen noch nicht beendet. Der Prozess ist vielmehr überhaupt nicht zu Ende geführt worden. Und doch hat sich beinahe von selbst eine für beide Teile befriedigende Lösung gefunden: Beide Konfessionen haben heute ihre eigene Kirche in Pflaumloch!
Quellen unserer Chronik der Pflaumlocher
Kirche
Zum Bauwerk :
Buch „Pflaumloch im Ries – Eine
Ortsgeschichte von Dr. Eugen Stäbler“ (1903-1987) – Wiederauflage bei der
bürgerlichen Gemeinde in Riesbürg erhältlich
Buch „Kunst und Kulturdenkmale im Ries“ erschienen im Konrad Theiss Verlag
Stuttgart.
„Der Pflaumlocher Krieg“:
Buch „Fried und Unfried“ © 1982 Hans
Pfletschinger, 73469 Riesbürg-Goldburghausen